Einspänner richtig anspannen


Wie soll das Geschirr auf dem Pferd liegen?
Text: Maja Jäger, Dietmar Krüger

Wir können an dieser Stelle keinen vollständigen Anspannlehrgang machen. Aber eine Orientierungshilfe wollen wir gerne geben.

So beschreiben wir fast jeden Riemen einzeln in seiner Funktion und wie er zum Wohl des Tieres eingestellte werden sollte.

Außerdem zeigen wir mit Hilfe von drei Bildern die Unterschiede in der Beanspruchung verschiedener Geschirrteile beim ziehenden, beim stehenden und beim bremsenden, bzw. die Kutsche nach hinten schiebenden Pferd im Einspänner. Das Zusammenspiel zwischen Trageösen, Strängen und Hintergeschirr gilt es dabei besonders zu beachten.


Doch beginnen wir vorn:

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Foto:Maja Jäger


Das Sieltec-Kopfstück

ist leicht und flexibel. Dadurch kann es selbst vom verschwitzten Tier nicht so einfach abgeworfen werden wie ein steifes, schweres Lederkopfstück. Es ist uns wichtig, dass jeder einzelne Riemen separat eingestellt werden kann, so dass eine perfekte Anpassung an die Formen des Pony-, Pferde- oder Eselkopfes möglich ist.
Das Fahrkopfstück von Sieltec ist immer mit Mundstück zu fahren. Man kann jedes Mundstück einbauen, so dass auf jeden Fall auch dasjenige, welches für das jeweilige Pferd am besten ist, verwendet werden kann.

Die Blendklappen
dürfen beim Sieltec-Kopfstück etwas anders sitzen als bei den herkömmlichen Lederkopfstücken. Das Auge darf beim Sieltec-Kopfstück mittig liegen oder sogar im unteren Drittel der Blendklappe.

Die Blendklappen sind einfach verschiebbar, sowohl nach unten als auch weit nach oben, ohne dass z. B. am Schläfenbein durch die Einstellschnalle Druck hervorrufen werden würde (da diese Schnalle beim Sieltec-Kopfstück nicht existiert). Diesen Umstand machen wir uns zunutze und positionieren die Blendklappen gerne etwas weiter oben, um zu verhindern, dass unsere Pferde über die oberen Ränder der Blendklappen hinweg nach hinten zum Fahrer schielen.

Wichtig ist, dass die Blendklappen nicht auf die Wimpern drücken. Der Blendriemen hält die Blendklappen nach außen.

Beim Sieltec-Kopfstück ist es außerdem möglich, die Blendklappen inkl. Blendriemen abzunehmen und ohne diese zu fahren.

Der Stirnriemen
ist beim Sieltec-Kopfstück etwas weiter als bei Lederkopfstücken und außerdem längenverstellbar, so kann das Genickstück nicht gegen die Ohren drücken.

Der Kehlriemen
ist ebenfalls längenverstellbar und kann passgenau eingestellt werden: Er sollte beim Fahrkopfstück enger sein, als bei einem Reitzaum, um das Abwerfen oder Abstreifen des Kopfstücks unbedingt zu verhindern.

Der Nasenriemen
Hier gilt die sogenannte 2-Finger-Regel: Bei geschlossenem Riemen sollten zwei Finger zwischen Nasenrücken und Riemen passen. Der Nasenriemen darf nicht zu fest sein, da das Pferd dann weder kauen, noch den Unterkiefer entspannen kann. Man sollte den Nasenriemen jedoch auch nicht einfach weggelassen, da er das Kopfstück im Ganzen stabilisiert, die Druckpunkte besser verteilt und gleichzeitig die Zügelhilfen konkretisiert. Der Nasenriemen darf nicht zu tief sitzen, da er hier dem Pferd die Atemwege verengt. Ebenso sollte er auch nicht zu hoch geschoben werden, damit er nicht auf das Jochbein drückt.

 

Das Sieltec-Geschirr

Der Halsriemen
reguliert die Höhe des Brustblattes und führt die Leinen mittels der Leinenführungsringe nach vorne.

Das Brustblatt
sollte unbedingt oberhalb des Buggelenks liegen. Die Faustregel besagt: „2-fingerbreit über dem Buggelenk“, wobei dieses Maß bei Kaltblütern zu wenig und bei Shettys und Eseln schon zu viel sein kann. Wichtig ist, dass die Pferdeschulter in ihrer Bewegung nicht gestört oder gar eingeschränkt wird. Mit dem Brustblatt und den Zugsträngen zieht das Zugtier die Last. Das Brustblatt verändert außerdem seine Lage im Betrieb und sollte hierin auch überprüft werden. Je nach individueller Ausrichtung des Pferdes und/oder Laststärke wird sich der Sitz des Brustblattes ändern. Merke: Schwere Last, tiefer Hals!

Das Sieltec-Brustblatt ist durch seine spezielle Polsterung ein Softbrustblatt. Es ist weich und dynamisch und passt sich in ergonomischem Bogen an das Zugtier an.

Die Zugstränge
übertragen den Zug vom Brustblatt auf das Ortscheit, an dem sie befestigt sind, und welches die Links-Rechtsbewegung der Schultern auf einen Zugpunkt konzentriert. Die Zuglinie darf nicht gebrochen sein.

Das Selett
trägt mittels der Trageösen die Schere/Gabel/Anzen/Londen der Kutsche. Mit den Trageösen wird auf keinen Fall die Kutsche gezogen oder gebremst!

Die Sieltec-Trageösen werden immer mit der Funktion zum Öffnen und Schließen hergestellt, so dass mit den Sieltec-Geschirren das Fahren jeder Schere möglich ist. Die Trageösen sind auch in der Höhe verstellbar und somit auf Schere und Wagen anpassbar.

Außerdem sitzen auf dem Selett Leinenführungsringe, mittels derer die Leinen nach vorne geführt werden.
Mit dem Sieltec-Softselett kann man sowohl einachsige als auch zweiachsige Wagen fahren, da es ohne starren Metallbügel im Inneren hergestellt wird. Es ist flexibel und dazu weich gepolstert und macht leichte Rechts-Links-/ Oben-Untenbewegungen der Schere sanft mit, ohne den Widerrist einzuklemmen oder zu drücken.

Der feste Bauchgurt
(in der herkömmlichen Geschirrlehre der „große“ Bauchgurt genannt) ist für den richtigen Sitz des Seletts verantwortlich. Er sollte so angezogen werden, dass das Selett Stabilität erhält. Er braucht jedoch nicht im selben Maße festgezurrt werden, wie beispielsweise der Gurt eines Sattels.

Der lockere Bauchgurt
(in der herkömmlichen Geschirrlehre der „kleine“ Bauchgurt genannt), ist mit den Trageösen verbunden und mindert deren Auf-und-ab-schlagen, somit auch eine zu starke Auf-und-ab-Bewegung der Schere, was besonders bei einachsigen Fahrzeugen eine wichtige Rolle spielt.

Der Zugstrangträger
(auf den Abbildungen nicht vorhanden) läuft quer über die Kruppe des Zugtieres, ist hier am Schweifriemen befestigt (der den Strangträger in Position hält) und führt von dort aus rechts und links nach unten, wo er die Zugstränge aufnimmt und hochhält. Hierzu muss er jedoch unbedingt lang genug eingestellt werden, denn die Zuglinie darf nicht gebrochen sein! Beim Einspänner ist der Zugstrangträger nicht immer notwendig, kann aber bei Bedarf nachgerüstet werden.

Der Schlagriemen
oder wie auf unseren Abbildungen gezeigt, die Schlagriemenschlaufen, haben die wichtige Funktion, das Zugtier daran zu hindern, zu hoch auszuschlagen. Der Schlagriemen/ die Schlagriemenschlaufen begrenzen bei dem aus Übermut oder Angst buckelnden Zugtier das Hochkommen der Hinterhand und vermeiden so, dass das Tier mit einem Bein über einen Scherenarm gerät und anschließend panisch reagiert. Außerdem kann das nach hinten schlagende Tier sich selbst oder den Fahrer verletzen. Deshalb ist es besonders beim Einfahren wichtig entweder den Schlagriemen oder die Schlagriemenschlaufen zu verwenden.
Der Schlagriemen wird durch den Schweifriemen auf dem Rücken des Tieres in Position gehalten, läuft von dort aus auf beiden Seiten herunter und wird an dem jeweiligen Scherenarm befestigt.
Auf unserer Abbildung sind Schlagriemenschlaufen zu sehen, welche unten am Hintergeschirrträger befestigt sind und von dort aus um den jeweiligen Scherenarm herum geschlauft werden.

Der Schweifriemen
kann sowohl mit als auch ohne Metze getragen werden. Wenn er mit Metze verwendet wird, ist es wichtig, ihn nicht zu straff einzustellen, damit am Schweif kein Druck aufkommt. Er soll einfach locker auf dem Rücken des Zugtieres liegen. Der Schweifriemen hat beim Einspänner die Funktion, den Hintergeschirrträger, und damit das gesamte Hintergeschirr, in der richtigen Position zu halten.

Das Hintergeschirr
hat die Funktion die Kutsche aufzuhalten, damit sie dem Pferd nicht in die Beine fährt und zudem Druck auf das Selett verursacht, falls der Fahrer beim Bremsen unaufmerksam ist. Außerdem kann das Pferd den Wagen mit dem Hintergeschirr rückwärts schieben. Hierfür ist das Hintergeschirr an beiden Armen der Schere mittig oder vorne eingehakt und läuft von dort aus um die Hinterhand des Zugtieres herum. Dieser Umlauf des Hintergeschirres liegt bei Ponys eine schmale Handbreit unter dem Sitzbeinhöcker, bei Kaltblütern schon fast zwei Handbreit. Die Höhe wird mittels Hintergeschirrträger eingestellt.

Das Hintergeschirr liegt nur beim Bremsen oder beim nach hinten Schieben des Fahrzeugs eng an, ansonsten, wenn das Pferd steht oder das Fahrzeug nach vorne zieht, hängt es locker. Es gilt mit besonderer Aufmerksamkeit das Zusammenspiel zwischen Trageösen, Strängen und Hintergeschirr zu beachten. An dieser Stelle ist die korrekte Einstellung für das Pferdewohl beim Einspänner von enormer Bedeutung und sollte vor der Fahrt im Stand sorgfältig überprüft werden.

Entscheidend:  Das Zugtier zieht mit den Strängen und hält auf mit dem Hintergeschirr und beides auf keinen Fall mit den Trageösen bzw. dem Rücken!

Die korrekte Grundeinstellung muss beim ersten Anspannen beachtet und später immer wieder optimiert werden.

Zum Überprüfen der Stimmigkeit schiebt man den Wagen vor der Fahrt im Stand vor und zurück und beobachtet die Arbeit des Geschirrs, ohne das vielleicht noch etwas aufgeregte Tier zu beunruhigen.

Die Überwachung der Einstellungen geschieht am besten im Schritt durch eine nebenher gehende Person bei verschiedenen Anforderungen. Die gemachten Beobachtungen können dann zu einer Verbesserung der Einstellung führen.

1. Das Geschirr im Zug.
Das Brustblatt liegt an, die Zugstränge sind straff und ziehen den Wagen, das Hintergeschirr ist locker.

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Foto: Maja Jäger


2. Das Geschirr beim stehenden Pferd

Das Brustblatt liegt locker an, die Zugstränge sind sanft gestrafft, das Hintergeschirr ist locker.

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Foto: Maja Jäger


3. Das Geschirr beim Bremsen, bzw. beim nach hinten Schieben der Kutsche

Das Brustblatt ist locker, die Zugstränge hängen durch, das Hintergeschirr ist straff.

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Foto: Maja Jäger


Die Leinen
laufen von der Hand der Fahrerin/ des Fahrers durch die Leinenführungsringe auf dem Selett und auf dem Halsriemen zum Mundstück des Zugtieres.

Die Leinen sind neben der Stimme unser wichtigstes Kommunikationsmittel beim Kutschefahren. Mit feinfühligen Paraden erhalten wir die Beziehung und geben unserem Zugtier Hinweise, was wir von ihm möchten. Gleichzeitig spüren wir das Tier und lesen seine Bedürfnisse und Willensimpulse daraus ab. Darum ist es nicht egal, mit was für einer Leine wir fahren - die Leine muss besser als gut in unserer Hand liegen, sie muss derart beschaffen sein, dass sie als Werkzeug zur Übermittlung einer stummen Sprache geeignet ist.
Da jedes Zugtier und jede(e) Fahrer*In anders ist, gibt es keine generelle Empfehlung, welche Fahrleinen verwendet werden sollten.
Aber wir bei Sieltec empfehlen natürlich unsere Sieltec-Leine, die aufgrund ihrer enormen Gleiteigenschaften in den Leinenführungsringen das höchste Maß an Übermittlungsmöglichkeit bietet und deshalb mit feinstem Fingerspitzengefühl gefahren werden kann.
Die Sieltec-Einspännerleine ist zudem mit sogenannten Handschlaufen/ Griffen ausgestattet, mit denen eine präzise Leinenführung kein Problem mehr darstellt (noch nicht mal im Winter mit dicken Handschuhen).
Trotzdem bieten wir auch für diejenigen, die weiterhin mit den Achenbachschen Griffen fahren möchten, bei Sieltec hergestellte Leinen aus ComfiCord und BioThane an, die mit ihrer lederartigen Haptik auch jenen Fahrer*Innen entgegenkommen.

Mehr über unsere Leinen kannst du hier lesen

Wir bieten bei Sieltec auch Fahrtage und Fahrkurse an, bei denen du das korrekte Anspannen lernen kannst.

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